Ich habe eine Website, die sich ständig ändernde Inhalte anzeigt. Etwa ein Dashboard mit unterschiedlichen Kennzahlen. Oder eine Twitterwall. Oder etwas anderes. Wie zeige ich die am besten auf einem Fernseher an? Vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche. Mit möglichst wenig Wartungsaufwand.

Letztes Jahr habe ich mich ausführlich damit beschäftigt, wie man einen Bildschirm kabellos überträgt. Dieses Mal geht es jedoch darum, wie man eine Website autonom anzeigen lassen kann. Also ohne ein zusätzliches Geräte laufen lassen müssen. Gerade wenn etwas durchgehend laufen soll, möchte man nicht, dass weitere Geräte involviert sind. Viele Fernsehgeräte wird zwar das Smart-Label aufgedrückt, aber wenn es zum Browsen kommt, scheitern sie oft daran. Weder Hard- noch Software sind dafür optimiert. Medien abspielen geht noch, aber komplexere Webseiten überfordern sie oft.

Ich habe mich also auf die Suche gemacht, was im Jahr 2016 die beste Lösung ist, eine Website auf einem Fernseher anzuzeigen. Im ersten Teil geht es um die Ergebnisse meiner Recherche und im zweiten Teil teste ich zwei Optionen. Amazon Fire Stick, Raspberry Pi 2 und Chromecast.

Hoher Wartungsaufwand, hoher Preis oder wenig Leistung

Vergleich Website Fernseher
Smart TVs und Peripheriegeräte sind für den Medienkonsum ausgelegt, nicht für das Anzeigen von Webseiten.

Intel Stick: High Performance, High Price

Intel Compute Stick
Ein vollwertiger Computer in der Form eines Sticks, den man in den HDMI-Eingang des Fernsehers steckt. Strom bekommen sie in der Regel über USB und ein eigenes Netzteil, weil der USB-Steckplatz der Fernseher zu wenig Leistung hat und primär für das Lesen von USB-Sticks ausgelegt ist. Intel ist nicht der einzige Anbieter von solchen Computer-Sticks, aber einer der bekanntesten. Für 100€ gibt es das günstigste Modell. Ohne Windows-Lizenz. Als Prozessor kommt wird ein Intel Atom eingesetzt. Das reicht für einfache Sachen, aber bei komplexeren Webseiten wird man keinen Spaß damit haben. Für einen stärkeren Prozessor, etwa den Intel m3 zahlt man schon 300€ und mit einem Intel m5 ist man schon bei 500€. Dann hat man aber auch einen Computer-Stick, der so leistungsstark ist wie ein Mittelklasse-Laptop. 4GB RAM, 64GB eMMC Speicher.

Neben dem Preis gibt es einen weiteren Nachteil: die Wartung. Die Computer-Sticks laufen meist mit Windows und wie wir wissen, aktualisiert sich Windows 10 gerne von selbst, wenn die Nutzer es nicht explizit unterbinden. Dafür kann man einfach Maus und Tastatur anstecken oder per Bluetooth verbinden und das Gerät ohne viel Aufwand so einrichten, wie man möchte. Um es 24/7 laufen zu lassen, werden aber einige Anpassungen nötig sein. Am besten richtet man ihn so ein, dass er nach einem Neustart automatisch Browser mit der gewünschten Website einrichtet. So kann man automatische Updates aktiviert lassen und zugleich muss man sich nicht um viel kümmern.

Raspberry Pi: Für Linux-User

Raspberry Pi 3
Für 50€ bekommt man bereits einen Raspberry Pi 3. Ältere Modelle gibt es für die Hälfte. Diese sind ebenfalls vollwertige Computer, allerdings bringen sie weniger Leistung als die Intel Computer Sticks mit sich. Je nach Modell. Raspberry Pis sind ziemlich klein, bekommen ebenfalls Strom über USB und können recht einfach hinter einem Fernseher versteckt werden. Sie werden nicht direkt in den HDMI-Platz gesteckt, sondern über ein HDMI-Kabel verbunden.

Der Preis ist in Ordnung und für etwas mehr gibt es auch leistungsstärkere Modelle von anderen Anbietern, die dann allerdings nicht immer so gut unterstützt werden, wie die Standard-Modelle. Weil es Linux ist, meist wird Raspbian genutzt, welches wie Ubuntu auf Debian basiert, hat man volle Kontrolle. Updates werden nur gemacht, wenn man es als Nutzer_in möchte. Das Gerät mehrere Monate ohne Neustart laufen zu lassen, ist kein Problem. Man kann vieles recht einfach automatisieren und es gibt zahlreiche Anleitungen, wie man einen Raspberry Pi in einem sogenannten Kiosk-Modus nutzt. Also nach dem Booten eine Website anzeigt.

Der größte Nachteil des Raspberry Pi dürfte die Leistung sein. Doch dazu mehr im Test.

Apple TV: Nein

Apple TV
Apple Produkte kauft man, weil man etwas möchte, das einfach funktioniert. Und wenn etwas nicht einfach funktioniert, wird es von Apple nicht unterstützt. Deshalb haben sie auch die Möglichkeit Webseiten am Apple TV anzuzeigen entfernt. Wer es dennoch probieren möchte und einen 150€ teuren Apple TV schon besitzt, kann über Sideloading einen Browser auf das Apple TV bringen.

Fire TV (Stick): Mehr Sideloading

Fire TV Stick
Von Amazon gibt es mehrere Modelle, die in Frage kommen. Vom Fire TV Stick, den es immer wieder für 30€, normal 40€, gibt bis zum Fire TV 4K um 100€. Fire TV OS basiert auf Android und es ist möglich über Sideloading Apps zu installieren, die nicht offiziell verfügbar sind. Etwa Chrome. Mehr dazu im Test.

Android TV: Rettung in der Ferne

Nvidia Shield TV
Einige Sony Fernsehgeräte haben Android TV als Betriebssystem und man kann Chrome nachinstallieren. Leider sind die meisten Smart TVs vom Prozessor einfach zu schwach ausgelegt. Spannender wird es, wenn man sich das Nvidia Shield TV anschaut. Es kostet stolze 200€, kommt aber mit ordentlich Leistung. Primär zum Streamen von Spielen auf den Fernseher gedacht, läuft auf ihm auch Android TV. Ich habe Nvidia angeschrieben, um ein Testgerät zu erhalten und werde die Erfahrung dann mit euch teilen. Eine weitere Option könnte die Xiaomi MiBox sein, welche ebenfalls Android TV nutzt.

Test: Fire TV Stick vs. Raspberry Pi 2 vs. Chromecast

Ich habe mich für diese Geräte entschieden, weil ich sie direkt zur Hand hatte und nicht erst ein paar Wochen warten wollte bis alle Hersteller mir etwas zur Verfügung stellen. Je nach Interesse, reiche ich einen umfangreicheren Test nach.

Hauptziel ist es komplexe Webseiten mit viel JavaScript darzustellen. Ich habe ein Benchmark gesucht, das relativ aussagekräftige Werte liefert, wie gut die Performance der Geräte ist. Dabei habe ich mich für JetStream von Browserbench.com entschieden, da dieser unterschiedliche JS-Benchmarks kombiniert.

Ein Benchmark ohne Vergleichswerte ist nur bedingt nützlich. Daher zuerst einmal wie mein Desktop (i5 4.2GHz) abschneidet: 224 Punkte. Der Gesamtwert steht immer rechts unten blau hervorgehoben.
desktop

Auf dem Surface Pro 3 mit i5 1.9GHz habe ich unterschiedliche Browser probiert. Mit Firefox hat es 115 Punkte erreicht.
surface-pro-3-firefox

Das selbe Surface Pro 3 mit Chrome hat 140 Punkte erreicht.
surface-pro-3-chrome

Fire TV Stick

Der Fire TV Stick basiert auf Android, hat aber einen eigenen App Store, in dem es keinen Browser gibt. Versetzt man das Gerät in den Entwicklermodus kann man Apps anderer Anbieter als .apk s installieren. Das klingt erstmal aufwändig, wenn man ein Android-Gerät hat, ist es jedoch recht einfach.

  1. Beim Fire TV über die System-Einstellungen ADB Debugging und Apps von unbekannten Quellen zulassen.
  2. Am Android Gerät eine App zum Sideloading auf den Fire TV installieren. Ich habe Apps2Fire genutzt.
  3. IP des Fire TV in der App eingeben oder finden lassen
  4. Schon können alle Apps, die sich auf dem Android Gerät befinden auf den Fire TV geladen werden

Ich habe den normalen Chrome Browser auf den Fire TV Stick geladen. Das hat gut geklappt. Die erste Webadresse eingeben, war auch kein Problem. Aber dann etwas auf der Website machen, war nicht möglich. Aber einmal musste ich klicken, um das Benchmark zu starten. Nach einiger Recherche habe ich mich dazu entschieden Mouse Toggle for Fire TV zu kaufen. Mit etwa 3€ nicht ganz billig, aber dafür funktionierte es ausreichend. Es wird wieder eine App auf den Fire TV gesideloaded und über die App am Handy kann man dann einen Maus-Modus aktivieren, mit dem es möglich ist die Fire TV Fernbedienung als Maus zu nutzen. Hat man nicht den Fire TV Stick, sondern den normalen Fire TV, könnte man auch eine Maus per USB oder Bluetooth anschließen. Beim Stick ist dies jedoch nicht möglich.

Im Benchmark schafft der Fire TV Stick bescheidene 13 Punkte. Das entspricht auch in etwa dem Browsererlebnis.
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Ein weiteres Problem ist die Adresszeile, die ich nicht wegbekommen habe. Hier könnte ein anderer Browser Abhilfe schaffen, der die Adresszeile automatisch ausblendet oder ähnliches.

Fazit: Der Fire TV Stick lässt sich nutzen, um eine Website anzuzeigen, solange diese nicht zu aufwändig ist. Allerdings sind einige Vorbereitungen nötig. Mit dem Standard-Chrome bleibt die Browserzeile sichtbar und der Fire TV Stick schaltet sich nach einer gewissen Zeit automatisch ab. Auch da wird man mit weiteren Apps abhilfe schaffen können. Empfehlenswert ist die Nutzung nur, wenn man ihn sowieso schon herumliegen hat.

Raspberry Pi 2

Ich mag meinen Raspberry. Normalerweise hängt er headless am Router im Keller und sammelt irgendwelche Daten für mich. Für diesen Zweck habe ich ihn an den Fernseher gehängt, Maus und Tastatur angestöpselt und die grafische Benutzeroberfläche gestartet (sudo startx). Von der Bedienung ist der Raspberry Pi 2 dem Fire TV Stick um Welten voraus. Man muss auch keine fragwürdigen Zusatzapps nutzen oder ähnliches. Perfekt ist der dennoch nicht. Der vorinstallierte Browser Midori hat sich beim Benchmark aufgehängt. Als ich Chromium installieren wollte, habe ich bemerkt, dass das offiziell nicht mehr unterstützt wird. Daher habe ich mich für Iceweasel, welcher auf Firefox basiert, entschieden (sudo apt install iceweasel).

Im Benchmark kam der Raspberry Pi 2 auch nur auf magere 10 Punkte.
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Ich gehe davon aus, dass man den Raspberry Pi noch etwas optimieren kann. Möglicherweise mit einem anderen Browser oder den Clock-Speed erhöhen. Im Test hatte ich die standardmäßigen 900MHz eingestellt. Auch liefert das neue Modell, Raspberry Pi 3 mit standardmäßig 1.2GHz und doppelt so schnellem RAM nochmals etwas mehr. Angeblich um etwa 50% mehr.

Fazit: Der Raspberry lässt sich sehr einfach bedienen und zeigt die meisten Websites problemlos an. Allerdings ist seine Leistung nur begrenzt. Für 50€ aber wahrscheinlich der beste Kandidat. Vollbildmodus ist natürlich kein Problem.

Chromecast

Der Chromecast ist eigentlich gar nicht darauf ausgelegt eigenständig Dinge anzuzeigen. Aber man hat festgestellt, dass es oft sehr praktisch ist, wenn nicht ständig ein eigenes Gerät laufen muss. So ist es möglich, dass der Chromecast bestimmte Steuerbefehle bekommt und diese ausführt. Das klappt beim Abspielen von Medien recht gut, beim Anzeigen von Websites nur so mittel.

Die sauberere Option wäre den Chromecast als Developer zu registrieren, um selbst Steuerbefehle zu erstellen und zu senden. Das kostet jedoch $5 und dafür war ich zu geizig. Funktionieren soll es relativ einfach.

Die zweite Option sind Apps, die das machen. Ich habe es mit CastBrowser probiert. Das hat zwar grundsätzlich geklappt, aber wie schon beim Fire TV gibt es keine Möglichkeit auf dem Chromecast etwas anzuklicken oder zu navigieren. Somit war es nicht möglich das Benchmark zu starten.

Können wir auch etwas über die Performance sagen ohne das Benchmark laufen zu lassen? Der alte Chromecast, welchen ich getestet habe, hat einen Marvell Armada 1500 Mini 88DE3005 Prozessor. Chromecast 2 hat einen Marvell ARMADA 1500 Mini Plus SoC (88DE3006). Beide haben 512MB RAM. Der Fire TV Stick hat auch 512MB für das System und 512MB für die Grafikeinheit. Der Raspberry Pi 2 hat 1GB, die sich System und Grafik teilen müssen, wobei dort standardmäßig nur ein sehr kleiner Teil für Grafik reserviert ist. Da sowohl Fire TV Stick als auch Chromecast für 1080p ausgelegt sind und sich dabei nicht bemerkenswert unterscheiden, gehe ich davon aus, dass die Leistung relativ ähnlich ist, vielleicht eine Spur schwächer. Ein Problem könnte sein, dass der Browser des Chromecast noch stärker reduziert ist, sodass manche Website gar nicht erst korrekt angezeigt werden können, auch weil er nicht dafür gedacht ist. Sideloaded Chrome des Fire TV Stick ist da sicherlich besser gerüstet.

Fazit: Ähnlich wie beim Fire TV Stick gilt: Wenn er schon vorhanden ist, kann man es probieren. Eine gute Lösung ist es aber nicht. Vor allem weil das Automatisieren nahezu unmöglich ist.

Raspberry Pi als Preis/Leistung/Usability-Sieger

Während es sowohl mit Chromecast als auch Fire TV Stick möglich ist eine Website anzuzeigen, sind sie dabei ziemlich unzuverlässig und umständlich zu bedienen. Der Fire TV Stick hat noch den Vorteil, dass man seine eigen Android-App erstellen könnte, die genau so funktioniert man es braucht. Aber das ist ein sehr hoher Aufwand, dafür dass man ein paar Euro spart. Der Raspberry Pi 2/3 hingegen ist auch günstig und lässt sich einfach so einrichten, dass man sich für lange Zeit nicht mehr darum kümmern muss. Der einzige Nachteil ist die Leistung und dass man sich hin und wieder um Updates kümmern sollte.